Das Ganze ist mehr als die Summe von Teilen.

Ein halbes Jahrtausend vor der Zeitenwende hat das Abendland begonnen, sich aus dem Kanon der Gestaltwandelgesellschaften zu verabschieden, die bis dahin weltweit vorherrschend waren. Es hat einen eigenen analytisch-synthetischen Weg eingeschlagen, der geprägt ist von der Vorstellung transzendenter Seinsweisen, die sich von dem, was Menschen von der Welt sinnlich-kognitiv wissen können, unterscheiden. Das Reich des Geistes, der Theorie, begann sich dem Reich der Körper, der Empirie, entgegen zu stellen.

In immer neuen Formen wurde dieser Dualismus durch die Jahrhunderte von den den abendländischen Kulturraum dominierenden Gesellschaftsschichten ausformuliert und hat nicht zuletzt im Christentum prägnant Gestalt gewonnen: das Reich Gottes, das Reich der Welt. Um es in kunstgeschichtlichen Begriffen auszudrücken: Romanik, Gotik, Renaissance, Manierismus, Barock, Romantik, bis hin zum Naturalismus des 19. Jahrhunderts, in all diesen Epochen haben die Europäer und die kulturell mit ihnen verbundenen angelsächsischen Kulturen eine Antwort darauf gesucht, wie diese zwei Welten zu denken und in Verbindung zu setzen sind.

Erst im späten 19. Jahrhundert und dann im 20. und 21. Jahrhundert wandten sie sich von diesem Vorstellungen ab und suchten neue Antworten auf die Frage, wie die Wirklichkeit, die Welt zu begreifen ist. Dieser Prozess ist bis heute im Schwange und treibt uns Europäer um.